Psychiatriemuseum – Philippshospital

„Geheimtipp“ in der Nachbarschaft: Das Psychiatriemuseum – Philippshospital

Im Riedstädter Stadtteil Philippshospital befindet sich eine der ältesten psychiatrischen Einrichtungen
weltweit. Sie wird heute vom Landeswohlfahrtsverband und der Vitos gGmbH betrieben. Im Haus 8 unter dem Dach gelegen, gibt es ein Psychiatriemuseum. Dort kann man durch die Jahrhunderte alte Tradition der Psychiatrie im Ried gehen, sie reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die Sammlung umfasst Exponate, Archivalien und eine Bibliothek zur Hospital- und Psychiatriegeschichte.

Die Exponate dokumentieren die baulichen und die medizinisch-therapeutischen Entwicklungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die gezeigten Zwangsstühle und –kleider waren bis 1821 in Gebrauch. Betten, Wannen für Dauerbäder, medizinische Instrumente und Präparate kennzeichnen die ersten Schritte einer wissenschaftlich fundierten Psychiatrie. Daraus erwuchsen neue Behandlungskonzepte, etwa die Beschäftigungs- und Arbeitstherapie, die in der Ausstellung z. B. durch eine vollständig erhaltene Druckerei dokumentiert ist. Daneben stehen künstlerische Werke von Patienten, etwa Ölgemälde von Maria Kraetzinger, Kreide- und Bleistiftzeichnungen, Stickereien und Skulpturen.

Die ältesten archivarischen Quellen bilden Urkunden zur Stiftung durch Landgraf Philipp dem Großmütigen, Hospitalordnungen sowie Rechnungsbücher. Der Bestand enthält weiterhin Personal- und Patientenakten, Dokumente zu Therapiekonzepten, zu Handwerk und Landwirtschaft im Hospital sowie Fotos, Ansichten und Baupläne aus verschiedenen Epochen. Einen Schwerpunkt bilden Belege aus der Zeit des Nationalsozialismus. Hier findet sich auch eine Sammlung von Meldebogenkonzepten, die Hintergründe über die Vernichtungspolitik erhellen.

Die Bibliothek umfasst Monografien, Sammelbände und Zeitschriften zur Medizin- und Psychiatriegeschichte vorwiegend aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Zudem gibt es eine so genannte „Patientenbibliothek“, die um 1900 angelegt worden ist, um die Freizeitgestaltung der Patienten in nach damaliger Auffassung therapeutisch sinnvolle Bahnen zu lenken. Sie umfasst Romane von Schiller und Hebbel, philosophische Schriften von Kant und Nietzsche ebenso wie unterhaltsame Journale wie etwa die „Gartenlaube“.

Eine Besichtigung und Führung ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich.

Kontakt:
Landeswohlfahrtsverband Hessen
Spital Museum (Archiv)
Herr Peter Gomes
Philippshospital
64560 Riedstadt
Tel.: 0 61 58/18 37 29
Mail: museum@vitos-riedstadt.de